Reiseberichte Laos

Reisebericht: Laos-Ballermann – Vang Vieng

Wenn die touristischen Fehlentwicklungen in Südostasien und Laos einen Namen haben, dann wohl Vang Vieng. Über diese möchte ich in diese Reisebericht schreiben. Einst eine verschlafene kleine Stadt am Ufer des Nam Song (einem Nebenfluss des Mekong) 160 km östlich von Vientiane, hat sich Vang Vieng in den letzten Jahren zum Ballermann Indochinas entwickelt und zu einem wichtigen Stopp auf dem Banana Pancake Trail, der Route, die zumeist jugendliche Backpacker aus aller Welt in Südostasien verfolgen. Dieser Reisebericht soll jedoch keine Ermunterung sein, sondern eine ernsthafte Bitte diese Entwicklung nicht weiter zu unterstützen.

Dieser Reisebericht stellt eine besonders kritische Stimme zu den Entwicklungen in Vang Vieng dar. Wer von unseren Lesern lieber Reiseberichte von der Spass- und Partyfront in Vang lesen möchte, der sei auf die folgenden Artikel verwiesen:

 

Alle diejenigen, die sich auch gerne mit kritischen Stimmen auseinandersetzen möchten, sollten diesen Artikel hier weiter lesen.

Südostasien ist ein beliebtes Ziel für Gap Year-Reisende und Backpacker, da es einerseits sehr billig ist und andererseits von friedliebenden geduldigen Menschen bewohnt wird, die sich nicht an unsäglichem Verhalten stören, solange der Touristendollar fließt. Nun ist ja nichts verwerfliches daran, wenn junge Leute eine mehrmonatige Reise unternehmen um etwas erwachsener und selbständiger zu werden und dabei die Welt kennenzulernen. Die „Grand Tour“ gab es schließlich schon im 18.Jahrhundert. Leider gibt es jedoch immer mehr jugendliche Backpacker, deren Interesse an den bereisten Ländern gegen Null tendiert. Sie kommen um billige Drogen und noch billigeres Bier zu genießen, sowie endlose Parties und Sex.

Tubing Pub Crawl auf dem Mekong
Tubing Pub Crawl auf dem Mekong

Das Phänomen ist sehr gut auf der Khao San Road in Bangkok zu beobachten, der ersten Anlaufstelle für viele Neuankömmlinge in Südostasien, bei Ballermann-Events wie den Full Moon Parties auf der Insel Kho Phangan. Dies kann man in jedem Reisebericht im Internet zu finden. Jedoch leider auch in Vang Vieng in Laos, wo die Einheimischen mittlerweile hoffnungslos überfordert sind, aber auch nicht mehr auf den Touristendollar verzichten mögen. Ein Teufelskreis, der erst ganz langsam durchbrochen wird.

Offiziell ist Vang Vieng in Laos bekannt für seine malerische Lage zwischen Karstbergen und Regenwald und die vielen Aktivangebote für Besucher wie Kayaking auf dem Nam Song und Klettern in den Bergen, zum Beispiel zur berühmten Python Cave, die sich kilometerweit in den Berg hineinschlängelt. Viele lieben auch die Möglichkeit in natürlichen Wasserbecken und unter Wasserfällen zu schwimmen. Soweit so gut.

Inoffiziell dagegen ist dieser Ort in Laos ein Paradies für den großen Rausch: Backpacker-Bars bieten regelrechte Menüs an, auf denen „Magic Mushroom Shakes“ angeboten werden und „Happy Pizza“ (mit Marijuana) und wer sich lieber die Birne mit Alkohol volldröhnt, greift zu einem Eimer Lao Lao Whiskey. Zu tödlichen Unfällen kommt es immer wieder wenn Drogenrausch auf Tubing trifft: Beim „Tubing“ lassen sich junge Leute in LKW-Reifen auf dem oft reißenden Wasser des Nam Song heruntertreiben, was schon im nüchternen Zustand nicht ungefährlich ist, aber im bedröhnten Zustand lebensgefährlich wird.

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Nun bin ich wirklich kein Moralapostel und wer sich die Birne zudröhnen will, soll es meinetwegen auch tun. Daran wird auch dieser Reisebericht nichts ändern. Aber ich kann nicht begreifen, warum junge Leute um die halbe Welt fliegen um dann nur „Party machen“ zu wollen wie zuhause in ihren Dorfdiscos? Besonders tragisch ist es im Fall von Vang Vieng, weil sich Laos nach Jahrzehnten die geprägt von Krieg und Kommunismus waren, erst allmählich dem Tourismus öffnet und die tiefgläubigen, konservativen Bewohner von Orten wie Vang Vieng von dem Verhalten der Backpacker getroffen wird, wie von einer kalten Dusche. Anders als im Nachbarland Thailand, das seit vielen Jahrzehnten sehr westlich geprägt ist und sich mittlerweile wohl an jede Unsäglichkeit gewöhnt hat, sorgen hier sturzbetrunkene Mädchen, die mitten in der Nacht im Bikini durch die Straßen torkeln noch für peinliches Berührtsein und Verachtung.

Vang Vieng bei Sonnenuntergang
Vang Vieng bei Sonnenuntergang

Noch verstecken die Laoten ihre Gefühle hinter dem klassischen höflichen Lächeln und trösten sich damit, im Stillen die Touristendollars zu zählen, doch mir tut es für die Bewohner dieses eigentlich sehr hübschen kleinen Städtchens leid, das ganz sicher eine andere Art von Touristen verdient hätte. Immerhin werden allmählich Gegenmaßnahmen getroffen: Wo früher bis in die Morgenstunden billiger Techno am Ufer des Nam Song plärrte, ist heute um Mitternacht Sperrstunde. Ich weiß, dass dieser Reisebericht nichts ändern wird, aber vielleicht den ein oder anderen zum Nachdenken anregt.

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2 Comments

  1. Also dieser Reisebericht sprach mir aus der Seele. Auch ich war geschockt, als ich damals in Vang Vieng ankam – symptomatisch war, dass mir bereits bei meiner Ankunft am hellichten Tage (13 Uhr mittags) zwei volltrunkene Kanadier entgegenkamen, die sich äußerst niveauslos an laotische Mädchen rangemacht haben. Eigentlich wollte ich sofort weiterreisen, hab mich dann jedoch glücklicherweise doch dafür entschieden, v.a. die landschaftlichen Schönheiten der Gegend zu genießen und über diesen ausufernden Komasauf- und Party-Tourismus hinwegzusehen und diesem so gut wie möglich zu entgehen. Aber nicht nur einmal hab ich mich in Grund und Boden (fremd)geschämt, ein „Westlicher“ zu sein, wenn man sieht, wie niveau- und respektlos sich die Touristen dort gegenüber der fremden Kultur, der (noch wunderschönen) Natur und nicht zuletzt den Einheimischen benehmen – einfach nur peinlich!

  2. Kann dir nur zustimmen! Ich fand es letztes Jahr auch unerträglich, wie sehr die meisten westlichen Menschen einfach kein Interesse an Land, Leuten und Kultur haben, sondern nur wie oben beschrieben an Party, Saufen und schnellem Sex. Und dazu muss Pizza, Pasta und Club Sandwich und Omlette mit Bacon her, keine typischen Gerichte.
    Hab mich damals auch relativ schnell von meiner Reisegruppe getrennt und bin alleine weiter nach Luang Prabang….

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